Samstag, 22. September 2007

Das Monster in mir… (Der Marathon ist beendet)

…wird immer Größer. Genährt durch Gefühlskälte und Abgeklärtheit. Gepaart mit Gewalt und Ungewissheit. So in etwas lassen sich einige Charakterentwicklungen und Biografien der Charaktere aus dem absolut genialen Anime Monster beschreiben, welcher sich mit in die Riege der Thriller/Krimi/Horror Anime gesellt.Inhaltzusammenfassung:
1986 in Düsseldorf, Deutschland. Der japanische Neurochirurg Kenzo Tenma arbeitet in einer Klinik, seine egozentrische Verlobte Eva Heinemann ist die Tochter des Klinikchefs.

Bei einer Operation rettet er den Jungen Johann, dessen Eltern, der ehemalige DDR-Handelsminister Liebert und seine Frau, erschossen wurden, während seine Zwillingsschwester Anna unter Schock steht. Dabei ignoriert Tenma die zuvor erhaltene Anweisung, den erkrankten Bürgermeister vorzuziehen, der daraufhin aufgrund einer mangelhaften OP stirbt. Tenmas Leben verändert sich schlagartig, Eva löst das Verlöbnis auf und seine berufliche Karriere scheint aussichtslos. Doch davon überzeugt, die moralisch richtige Entscheidung getroffen zu haben, lebt Tenma trotz des Verlusts seines sozialen Status mit gutem Gewissen weiter. Dann werden der Klinkchef Dr. Heinemann und zwei weitere Ärzte durch Bonbons vergiftet; Johann und Anna verschwinden spurlos.

1995, Tenma ist mittlerweile Chefarzt. Als er einen davonlaufenden Patienten verfolgt, trifft er Johann wieder und muss mit ansehen, wie dieser einen Mord begeht. Tenma bereut seine Entscheidung, den Jungen zu retten und versucht alles, seinen Fehler zu korrigieren. Er verfolgt das Monster Johann quer durch Europa und deckt dabei Hintergründe auf, die ihn daran zweifeln lassen, wer das eigentliche Monster ist.

Und damit beginnt diese faszinierende Geschichte die eine Wendung nach der anderen vollzieht und noch lange nicht zu Ende ist.
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© subs4u

Da ich mich nicht imstande fühlte selbst eine aussagekräftige Inhaltsangabe über den Anfang der Sage zu verfassen, habe ich mir die Freiheit genommen die Zusammenfassung der deutschen Subgroup zu übernehmen, die ich sehr gelungen finde. Und damit beginn die Hetzjagd in der sich im Laufe der Serie immer mehr Charaktere anschließen, egal welcher Seite sie angehören und somit wem sie hinterher jagen. Eine Geschichte voller Spannung, Wendungen und Überraschungen die von Anfang bis Ende zu fesseln weiß.

Animation:
Animiert vom Studio Madhouse (Death Note) in 74 Episoden die sich erzählertechnisch sowie perspektivisch sehr genau an der Mangavorlage orientieren und nur in wenigen Szenen das Geschehen aus einem anderen Winkel darstellen und den Charakteren mehr Worte in den Mund legen. Die Farbgebung wird gleich durch die Openingsequenz deutlich, denn diese gibt sich vorwiegend düster also gräulich. Die wenigen Farbenfrohen Momente fallen in die Rückblicke der Charaktere bevor sie in den Sog der zerstörerisch mörderischen Spirale gezogen wurden. Die Hintergründe sind durchweg detailliert und halten sich penibel genau an die deutsche- bzw. tschechische Architektur. So düster und depressiv das geschehen auch beleuchtet wird, es werden immer wieder Momente aufgezeigt die die Stimmung heben und somit die Liebenwürdigkeit des Lebens aufzeigen ohne jedoch abgehoben und kitschig zu wirken. Die Charaktere sind durchweg liebevoll und realitätsnah animiert und man erblickt wenige Standbilder. Überhaupt erstrahlt das ganze Szenenbild sehr realitätsnah und auch die Charaktere verhalten sich äußerst glaubhaft und vollziehen greifbare Entwicklungen. Das Storyboard lässt das Geschehen keine Sekunde lang in die Langeweile abrutschen und wirft nach jeder geklärten Frage gleich wieder einige neue auf. So muss das Script zu einem Thriller sein und Monster versteht es den Zuschauer bis zum Ende in seinen Bann zu ziehen. Die Ereignisse erfordern höchste Konzentration und ein gutes Gedächtnis, denn die Handlung läuft alles andere als Linear und nur der kleinste Moment Unachtsamkeit kann schwere Verständnislücken nach sich ziehen. Dadurch verliert die Serie aber einiges an Spannung wenn man sie erneut schaut. Allerdings begreift man die Handlungen der Protagonisten und Antagonisten leichter, da sich offen geblieben Fragen klären und man entdeckt immer Mal wieder eine Sache die einem erst beim Zweiten schauen klar wird.

Soundtrack:
Die musikalische Untermalung des Dramas ist genrespezifisch bedrückender gehalten und so ertönt ein depressives Instrumentalstück in der hektisch und verloren daherkommenden Introsequenz. Eher unauffällig steht dagegen die Musik in den einzelnen Szenen die jedoch genau die richtige Stimmung zu übermitteln weiß. So ertönen unauffällige Streichorchesterrhythmen die jedoch ihre Klänge erheben wenn ein dramatischer Moment bevorsteht oder verstummen wenn etwas Schockendes dem Zuschauer vor Augen geführt wird. Während das Intro jede einzelne der 74 Episoden einleitet wird das Ending nach der 32. Episode ausgetauscht. Auf den ersten Blick wirken die Endingsongs befremdlich aber fügen sich doch erstaunlich gut in das Gesamtgefüge ein und unterstreichen das zerrüttete Innere der beiden Geschwister denen Gefühle, Erinnerungen und Namen geraubt wurden um sie zu namenlosen Monstern zu machen.

Fazit:
Monster ist eine der wenigen Serien die es verstehen über einen ziemlich langen Zeitraum zu fesseln und zu unterhalten, obwohl ich mich wegen anfänglicher Skepsis erst recht spät bannen ließ. Die Unterhaltung kann man aber nur genießen, wenn man eine gewisse Reife aufweist und sich seine eigene Meinung über gut und böse sowie seine Ansichten gebildet hat. Monster unterhält auf hoher Ebene und setzt, für mich, neue Maßstäbe in Sachen Erzählstruktur und –aufbau bei Thrillern. Die Charaktere sind greifbar und handeln nachvollziehbar und das macht das Ganze erschreckend real, worin auch ein Teil der Gesellschaftskritik liegt, denn ist es vertretbar Menschen ihrer Namen zu berauben oder Kinder als Versuchsobjekte zu missbrauchen. Ganz zu schweigen von der Frage wer über Leben und Tot zu entscheiden hat und ob es legitim ist seelische Qualen auszuüben. An dieser Stelle ein Lob an die Macher die sich genau in die deutsche Denkweise eingefunden haben und versuchen von den Klischees abzuweichen, was nicht immer klappt aber es ist eine ausgiebige Nachforschung der deutschen Kultur erkennbar.

Monster ist ein durchweg süchtig machender Krimi, der einen automatisch die nächste Folge schauen lässt. Also muss man einen gewissen Zeitrahmen freischaufeln um komplett in das Universum einzutauchen und kein Ereignis unaufgesogen zurückzulassen. Von mir eine Pflichtserie für Leute die sich auch auf was anderes als Naruto und Co. einlassen wollen/können und keine scheu vor Denkarbeit haben.

Ich warte auf eine deutsche Lokalisierung, denn bei einer Serie die hier angesiedelt ist und sich in einem so ernsten rahmen bewegt wäre ein Release eine wahre Bereicherung für die hiesigen Markt. Der manga zur Serie ist übrigens schon komplett bei Egmont Manga & Anime (EMA) erschienen.

Intro- und Endingsequenzen:
Intro + Ending 01

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