Mittwoch, 22. August 2007

Das unbefriedigende und bedrückende…

…Gefühl von unerfüllter Liebe, Sehnsucht und Trennungsschmerz kennt wahrscheinlich jeder von uns. Ganz gleich ob jemand allein gelassen wurde oder jemanden allein lassen musste. Diese Gefühle werden wunderbar in dem Animationsfilm „5 Zentimeter pro Sekunde“ zur Thematik gemacht.

Ein Junge, Tohno Takaki, und Mädchen, Shinohara Akari, beide zur gleichen Zeit auf dieselbe, fremde und neue Schule gewechselt, verbringen ihre freie Zeit lieber in der Schulbibliothek anstatt mit ihren Klassenkameraden im Freien Klubaktivitäten nachzugehen. Dieses untypische und isolierende verhalten schweißt die beiden zusammen und so entsteht eine tiefe Freundschaft. Als Akaris Eltern jedoch, beruflich bedingt, umziehen müssen trennen sich vorerst die Wege der beiden die sich zum Abschied noch gemeinsam die fallenden Kirschblüten ansehen, die mit 5 Zentimetern pro Sekunde Richtung Boden fallen und sich gegenseitig versprechen, diesen Anblick nächstes Jahr wieder gemeinsam zu erleben. Nach Briefwechseln und diversen Telefongesprächen beschließen sie, sich am 4. März zu treffen. Höhere Gewalten jedoch scheinen dieses treffen verhindern zu wollen und so kommt es, dass Takakis Zug auf Grund von Schneefall ganze 4 Stunden Verspätung hat. Dennoch wartet Akari auf ihn und so treffen sie sich spät nachts auf einem Menschenleeren Bahnhof wieder. In dieser Nacht küssen sich die beiden unter einem mächtigen Kirschbaum zum ersten mal doch findet keiner den Mut die aufkommenden Gefühle in Worte zu fassen und so trennen sie sich am nächsten Morgen mit Abschieds- und Wohlergehensfloskeln. Einige zeit später muss Takaki die Präfektur (vergleichbar mir unseren Bundesländern) wechseln, da sein Vater versetzt wurde und so erhöht sich die Distanz der beiden abermals um gefühlte Ewigkeiten. In der neuen Präfektur schreibt er ihr Nachrichten die er jedoch nicht absendet. So verlieren sich beide aus den Augen. Alsdann mehrere Jahre vergangen sind und Akari und Takaki unwissend in derselben Stadt wohnen und sich unbewusst die Gegenwart des Anderen ersehnen begegnen sie sich unverhofft auf einem Bahnübergang wieder, jedoch erkennen sie sich nicht sonder erahnen nur die Bekanntheit. Als sich beide zum Anderen umdrehen wollen, trennen vorbeihuschende Züge den Blickkontakt und so gehen sie unwissend voneinander in derselben Stadt ihre Wege.

Diese von Melancholie und Traurigkeit erzählende Geschichte ist noch viel erdrückender als oben wiedergegeben, denn Takaki ist unfähig zu lieben da er sich nur nach Akari sehnt und somit mit leerem in die ferne gerichtetem Blick sein Lebensweg voranschreitet und die Liebe anderer Frauen komplett ignoriert. Akari hingegen findet den an ihn gerichteten Liebesbrief wieder und erinnert sich zurück, doch haben diese Gefühle anscheinend nur noch nostalgischen Wert für sie, da ihre Hochzeit vor der Tür steht. Somit fristet er ein einsames unerfülltes und mit Sehnsucht geplagtes Dasein während sie die Gefühle mit Nostalgie betrachtet und in die Zukunft blickt. Am Ende erzählt „5 Zentimeter pro Sekunde“ aufgeteilt in drei Akte die Geschichte zweier Heranwachsender die sich durch die sich ergebende Distanz aus den Augen verlieren und somit ihrer Liebe nur eine geringe Chance geben können und beide die Gelegenheit verpasst haben sich ihre Gefühle zu gestehen. Ein Drama von einer Liebe ohne Happy End.

Visuell macht der Film einiges her, so wird mit symbolträchtigen Bildern nicht gespart, so dass man auf einmal eine Rakete den Himmel zwischen den beiden trennen sieht oder das sich beide auf verschiedenen Seiten eines Bahnübergängen in die Augen sehen wollen dieses aber nicht können da sie ein vorbeikommender Zug stört. Dadurch wirkt der Film aber keinesfalls Kitschig, denn die Bilder sind so detailverliebt und real gehalten, dass man das Gefühl hat einem realen Ereignis beizuwohnen. Die Animationen sind von höchstem Niveau und Technik, sodass nur die im typischen Anime-Stil gehaltenen Figuren dieses Bild wieder ins rechte Genre ziehen.

Meiner Meinung nach kann Shinkai Makoto mit diesem Film nun endgültig beweisen, dass er auch feinfühlige Animationen und Geschichten erschaffen kann wie Studio Ghiblis Miyazaki oder Takahata, denn nach Filmen wie „Kumo no Mukou, Yakusoku wo Basho“ (Internationaler Titel: The Place Promised in Our Early Days) und „Hoshi no Koe“ (Internationaler Titel: The Voices of a Distant Star) steht für mich persönlich fest, dass Shinkai für mich der Dramenmeister ist. Eine brillant erzählte Geschichte die zum nachhaltigen Nachdenken anregt und berührt.

Trailer (englisch untertitelt):

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